Tarantella - Der lebhafte Volkstanz Süditaliens

Die Tarantella ist einer dieser Tänze, die man nicht nur sieht, sondern spürt. Ein süditalienischer Volkstanz, der seit Jahrhunderten Menschen zusammenbringt – voller Energie, Rhythmus und Lebensfreude. Besonders in Kalabrien ist die Tarantella tief verwurzelt. Sie begleitet Feste, Hochzeiten, religiöse Feierlichkeiten und spontane Momente, in denen Musik und Gemeinschaft wichtiger sind als alles andere. Wer einmal erlebt hat, wie sich die Schritte beschleunigen, die Tamburello den Rhythmus vorgibt und die Tänzer im Kreis lachen, weiß: Die Tarantella ist pure Lebensfreude.

Was ist die Tarantella?

Die Tarantella ist ein traditioneller Volkstanz aus Süditalien, der sich durch schnelle Schritte, Drehungen, rhythmisches Klatschen und den Einsatz der Tamburello auszeichnet. Sie wird meist paarweise oder in Gruppen getanzt und lebt vom Dialog zwischen Musik und Bewegung.

Ursprung und Mythos: Woher kommt die Tarantella?

Die Ursprünge reichen bis ins Mittelalter zurück. Der Name wird oft mit dem „Tarantelbiss“ in Verbindung gebracht – man glaubte, dass der Tanz die Betroffenen von der Wirkung des Spinnenbisses „befreien“ könne. Auch wenn diese Theorie heute eher als Legende gilt, zeigt sie, wie tief der Tanz in der Volksmedizin und Mythologie Süditaliens verwurzelt ist. In Kalabrien entwickelte sich die Tarantella zu einem sozialen Ritual, das Gemeinschaft stärkt und Geschichten erzählt – von Liebe, Arbeit, Ernte, Sehnsucht und Freiheit.

Musik und Instrumente

Die Tarantella wird traditionell begleitet von:

  • Tamburello – das Herzstück des Rhythmus
  • Organetto – ein kleines diatonisches Akkordeon
  • Lira Calabrese – ein Streichinstrument, typisch für die ionische Seite Kalabriens
  • Zampogna – die süditalienische Sackpfeife

 

Diese Instrumente verleihen der Tarantella ihren unverwechselbaren Klang: erdig, lebendig, archaisch.

Wie wird Tarantella getanzt?

Die Tarantella ist ein Dialogtanz – ein spielerisches Hin und Her zwischen den Tänzern. Typisch sind:

  • schnelle Schrittfolgen
  • Drehungen und Sprünge
  • rhythmisches Klatschen
  • Kreis- oder Halbkreisformationen
  • improvisierte Elemente

Der Tanz ist nicht streng reglementiert – jede Region, jedes Dorf und oft sogar jede Familie hat ihre eigene Variante..

Regionale Varianten in Kalabrien

Kalabrien ist reich an lokalen Traditionen. Besonders bekannt sind:

  • Tarantella del Pollino: Wild, schnell, mit starken Einflüssen der Arbëreshë‑Kultur.
  • Tarantella Grecanica: Getanzt in den griechischsprachigen Dörfern der Aspromonte‑Region – mystisch, erdig, rituell.
  • Tarantella Ionica: Verbreitet entlang der ionischen Küste, u. a. in Mandatoriccio, Cariati, Rossano – lebhaft und festlich.
  • Tarantella Tirrenica: Ruhiger, mit weichen Bewegungen und melodischen Linien.

Bedeutung der Tarantella heute

Die Tarantella ist ein Symbol für:

  • Gemeinschaft – sie bringt Menschen zusammen
  • Identität – Ausdruck kalabrischer Kultur
  • Tradition – ein lebendiges Erbe
  • Lebensfreude – Energie, Rhythmus, Emotion

Sie wird bei Hochzeiten, Patronatsfesten, Sommerfesten, historischen Umzügen und Dorffesten getanzt – und ist damit ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Kalabrien. Wer einmal eine Tarantella erlebt hat, versteht sofort, warum sie bis heute lebt. Sie ist laut, schnell, herzlich und voller Emotionen. Sie erzählt Geschichten von Gemeinschaft, Tradition und dem süditalienischen Temperament.

 

Und ganz ehrlich: Wenn ihr in Kalabrien einer Tarantella‑Runde zuschaut, habt ihr kaum eine Chance zu entkommen. Früher oder später tanzt ihr mit. Und eins könnt ihr uns glauben, es macht sehr viel Spaß!

 

Tanti saluti, Ramona und Saverio

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